1. Hohe Türschwellen, die Geister abhalten

In der traditionellen chinesischen Architektur haben viele Türöffnungen eine erhöhte Holzschwelle. Der Volksglaube besagt, dass umherwandernde Geister nicht über die Schwelle treten können, sodass sie Ärger fernhält. Praktisch diente sie zur Aufbewahrung von Reis, hielt Regen und Staub ab und signalisierte Status. Moderne Wohnungen entfernen sie oft zugunsten der Barrierefreiheit, aber Tempel und alte Hofhäuser behalten die Schwelle bewusst bei.
2. Bagua‑Spiegel über Türdurchgängen

Kleine achteckige Spiegel hängen über vielen Laden‑ und Hauseingängen in Hongkong, Taiwan und in Chinatowns. Man sagt, sie würden feindliche Energie, verärgerte Nachbarn und ungünstige Straßenverläufe dorthin zurückwerfen, wo sie herkommen. Eigentümer hängen sie manchmal nach Beschwerden oder einer schlechten Geschäftsphase auf und behaupten dann, die Stimmung habe sich geändert. Für Skeptiker ist es Straßentheater und Markenbildung, doch die Ausstattung prägt stillschweigend zahllose Fassaden.
3. Drachenlöcher in Türmen

Bei mehreren küstennahen Hochhäusern in Hongkong sind riesige Hohlräume durch den Gebäudekörper geschnitten. Die verbreitete Geschichte besagt, sie würden dem Bergdrachen erlauben, zum Wasser zu passieren, und so den Standort glücksverheißend halten. Entwickler werben außerdem mit Tageslicht, Durchzug und Aussicht, sodass Glaube und Marketing praktisch zusammenfallen. Ob Mythos oder mikroklimatische Anpassung — die Skyline hat buchstäblich Löcher für einen unsichtbaren Reisenden.
4. Schräg eingebaute 'Hexenfenster' in Neuengland

Im ländlichen Vermont sind einige Giebelfenster von Bauernhäusern um etwa 45 Grad gedreht. Der Legende nach kann eine Hexe auf ihrem Besen nicht durch eine schräg gestellte Öffnung fliegen, weshalb der Winkel sie fernhält. Zimmerleute sagen, es sei eine platzsparende Lösung über einer niedrigeren Dachlinie gewesen. Der gruselige Spitzname überdauerte, und die schiefen Scheiben wurden zu einem lokalen Kennzeichen.
5. Wasserspeier, die Kathedralen bewachen

Mittelalterliche Kirchen zeigten oft steinerne Bestien mit Fangzähnen, Flügeln und Fratzen. Sie leiten Regenwasser ab, doch der Volksglaube deutete sie als Wächter, die Dämonen und Unglück verjagen. Städte ließen sie noch lange nach der Verbesserung von Dachrinnen anfertigen, weil die Ungeheuer zum öffentlichen Gesicht des Gebäudes wurden. Heute sind sie Touristenmagneten und Maskottchen und erfüllen weiterhin ihre Rolle als theatralischer Schutz.